Donnerstag, 31. Oktober 2013

On the road... Nordfriesland, meine Perle (Teil 5: Wyk auf Föhr).

Hallo Welt!

Mit Erwartungen ist es ja immer so eine Sache. Sind sie zu hoch, können sie eigentlich nie erfüllt werden. Besonders in Zusammenhang mit der Verherrlichung von Erinnerungen oder schönen Erlebnissen. Da freuen sich der Herzmann und ich wie Bolle nach zwei Jahren wieder unsere Lieblingsinsel Föhr zu besuchen und dann stimmt irgendwie so gar nichts. Damals nämlich war alles geradezu perfekt - Wetter, Menschen, Orte, Strand - und wir schlossen Föhr so unheimlich in unser Herz, dass wir schon davon träumten irgendwann einmal dort zu leben. Mit unsagbar großer Vorfreude nehmen wir also die Fähre von Dagebüll aus nach Wyk. Die Wettervorhersage klingt gut. Sonnig, ein paar Wolken, heißt es. Biste dieses Mal schlau, dachte ich. Ziehste nur Ballerinas an. Letztes Mal war es nämlich im Oktober noch sehr warm und ich saß am Strand mit meinen Lederschnürern. Die Regenjacke habe ich aber trotzdem eingepackt. Fragt mich nicht, wie das zusammenpasst. Vielleicht hatten sich hier Vorahnung und Wunschdenken die Hand gereicht? 

In Wyk angekommen streiten sich der Herzmann und ich erst einmal. Ich weiß schon gar nicht mehr warum. Wie das ja meist so ist. Die Grundstimmung ist jedenfalls leicht gereizt. Ich glaube, vielleicht lag das doch daran, dass ich Hunger hatte. Also laufen wir in Richtung Fußgängerzone. Nach dem Motto "Vivi, iss' ein Fischbrötchen. Immer, wenn Du hungrig bist, wirst Du zur Diva." Denn wir wissen ja seit dem Werbespot für einen bekannten Schokoriegel: "Du bist nicht Du, wenn Du hungrig bist." Naja, eigentlich wusste ich das schon immer.





Also schlendern wir durch die Fußgängerzone. Viel zu viele Menschen da. Könnte vielleicht an den Hafentagen und dem Feuerwerk am Abend liegen. Wir steuern das Café an, das wir vor zwei Jahren kurz nach dessen Eröffnung besuchten und von dem ich gleich begeistert war. Doch irgendwie ist das auch nicht mehr dasselbe. Drinnen ist alles umgeräumt, es sind mittlerweile Angestellte da, die Besitzerin ist sehr beschäftigt und scheint Cupcakes und Kuchen für eine Feier vorzubereiten. Die Auswahl ist kleiner geworden. Ein paar Kekse, zwei Sorten Cupcakes (leider eher langweilig), ein liebloser Schmandkuchen. Die zwei Jahre haben schon ihre Spuren hinterlassen. Ich bin enttäuscht. Esse meinen Kuchen, teile mir den Cupcake mit dem Herzmann und dann machen wir uns schnell auf den Weg an den Strand.






Dort ist es wieder schön und ungefähr so, wie vor zwei Jahren. Wir schlendern den Steg entlang, setzen uns auf eine Bank, machen Fotos. Dann setzen wir uns an den Strand, ich sammel ein paar Muscheln, wir machen noch mehr Fotos. Und plötzlich stolziert ganz nah an uns ein Storch vorbei und schaut uns frech an. Ich bin ganz aus dem Häuschen und mache unzählige Fotos von ihm und ihn interessiert es nicht.







Gegen Nachmittag ziehen dann dicke, grauen Wolken auf. Wir packen wieder alles zusammen und ziehen weiter in Richtung Hafen und Festbuden. Wir lassen uns auf einer Bierbank sitzend den (frischen?) Fisch schmecken. Kurz darauf tritt eine Coverband mit Sänger und Sängerin auf und spielt Hits aus den Charts. Der Platz vor der Bühne füllt sich und das Wetter ist gut. Die Wolkendecke ist wieder aufgebrochen und die Sonne scheint. Ausgeruht und gestärkt schlendern wir an den Buden vorbei und dann fallen schon die ersten Tropfen. Und es wird mehr. Und mehr. Sodass der Herzmann und ich irgendwann unter ein Budendach flüchten. Wir entscheiden uns dafür jetzt die Fähre zurück zu nehmen und das Feuerwerk auszulassen. Doch: Die letzte reguläre Fähre ist bereits vor wenigen Minuten ohne uns wieder zurück zum Festland gefahren. Es ist kurz nach 20 Uhr. Die nächste Fähre soll nach dem Feuerwerk erst gegen 0 Uhr wieder zurückfahren. Wir sind somit also auf unserer Lieblingsinsel "gefangen". Den Unmut darüber versuche ich erst einmal mit einer großen Zuckerwatte zu ersticken, doch der Regen löst sie in meinen Händen auf und ich merke auf einmal, dass ich ja eigentlich auch gar keine Zuckerwatte mag.


Doch es sollte schlimmer werden. Und irgendwann fühle ich mich wie meine Zuckerwatte. Ich beginne mich aufzulösen. Es wird dunkler und der Regen kommt in solchen Mengen herunter, dass meine Ballerinas innerhalb von Sekunden komplett durchgeweicht sind. Ich hätte sie also irgendwann genauso gut ausziehen können. Noch dazu wird es recht kühl. Und so stehen der Herzmann und ich mit unserem Schirm unter einem Vordach zusammengekauert und wünschen uns, es wäre doch schon 0 Uhr. Die Coverband spielt weiter, wie auf einem sinkenden Schiff - mit einer kurzen Unterbrechung, da der Sänger bei seinem wilden Herumgehopse auf der nassen Bühne ausgerutscht war. Gnihihihihi.



Meine Stimmung wird selbstverständlich auch nicht besser. Der Wahnsinn nimmt kurz überhand und ich fange an zu lachen. Aber wirklich nur kurz. Die gereizte Grundstimmung bei der Ankunft wird zu einer sehr gereizten Grundstimmung mit quengeligem Gemecker. Ich kann mich in solchen Situationen nicht zusammenreißen. Wenn etwas scheiße ist, dann ist es das auch. Dann kann ich auch nicht gut drauf sein oder etwas locker sehen. Ich habe einfach keinen Bock mehr und will nach Hause. Oder zumindest wünsche ich mir Socken und meine Sneaker herbei. Nee, doch lieber mein Zuhause und mein Bett. Und so vergehen ein oder zwei Stunden oder auch eine kleine Ewigkeit bis der Herzmann und ich langsam zu den Ab- und Anlegestellen der Fähren laufen und dort auf das Feuerwerk warten. Oder doch viel mehr auf die Fähre. Noch hinzu kommt - wer meine 20 Fakten über mich aufmerksam gelesen hat, weiß natürlich Bescheid - dass ich große Angst vor Feuerwerk habe. Kurz überlege ich: Was zur Hölle mache ich eigentlich hier? Doch dann beruhige ich mich mit dem Gedanken, dass wir gleich auf der Fähre zurück zum Festland sitzen.

Und dann geht es los. Ich halte mir die Ohren zu und beobachte das Feuerwerk, welches wirklich, wirklich schön ist. Ich bin fast schon ein wenig gerührt und vergesse für einen Moment meine kalten, nassen Füße. Der Herzmann macht die schönsten Fotos und ich staune hinter der Scheibe der Wartezone für die Fähre. Wir sind ganz nah dran und können alles wunderbar sehen.

Fotos: Martin J. (Kamera: Sony NEX-5R), Vivienne M. (Kamera: Canon 600D, Objektiv: Tamron 17-50mm 2.8/ iPhone 4S)

Liebes Föhr, sei mir nicht böse. Ich liebe Dich noch immer. Du hast es mir zwar nicht leicht gemacht, aber in einer Beziehung muss man ja gemeinsam durch Höhen und Tiefen gehen können, damit sie sich vertiefen und festigen kann. Ich komme wieder, mein liebes Föhr. Denn Du bist und bleibst meine Lieblingsinsel.  

Seid Ihr schon auf Föhr gewesen? Welche sind Eure Lieblingsorte auf der Insel?

Liebst,
Eure Vivienne

Kommentare:

  1. Das ist aber echt schade das dieser Tag so schief gegangen ist!
    Aber ich muss dir echt mal sagen wie toll ich deinen Bericht trotzdem fand. Dein Schreibstil ist unheimlich schön und ich hätte noch sehr viel länger weiter gelesen! Ganz toll!:)
    Liebe Grüße,Sarah

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  2. Ich kann Amrum nur empfehlen :)! LG Caro

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  3. Oh weh, ja manchmal kann es mit den hohen Erwartungen echt in die Hose gehen
    sehr schön geschriebener Text
    Usedom ist auch eine traumhaft schöne Insel, wundervolle Natur und kleine verschlafene Ortschaften, oder eben Rügen =)
    (jaaa, erwischt ... Team Ostsee!!!) xD
    liebste Grüße

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  4. Als ich 6 Jahre alt war, war ich mit meiner Familie auf Föhr.
    Ich erinnere mich leider nur noch an die Drillinge, mit denen ich am Strand Sandburgen gebaut habe, daran, dass stolze 4 Wochen lang traumhaftestes Wetter war, dass Kaninchen im Garten vor unserer Ferienwohnung lebten und dass ich dort immer Waldmeistereis gegessen habe und unfassbar traurig war, dass es meine Neuentdeckung in der heimischen Eisdiele gar nicht gab.
    Eigentlich möchte ich auch gern noch mal hin...
    Danke fürs Teilen deiner Eindrücke.

    Liebsten Gruß!
    julia

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  5. Ach, Vivi, Föhr muss man einfach gern haben, auch wenn es dich mal nicht gern hat... Bei unserem letzten Besuch ging es mir bisschen ähnlich, was zu hohe Erwartungen - geprägt vom ersten Besuch - betraf. Wir waren über Silvester dort und das war irgendwie kein Spaß... In Restaurants und Cafes war alles seit Wochen ausgebucht, der Neujahrsmarkt war mäßig und zu allem Überfluss begannen die - viel zu vielen - Menschen, bereits Stunden vor Mitternacht sämtliche Raketen abzufeuern. Etwa viertel nach zwölf waren wir zurück in der Ferienwohnung. Hmpf. Trotzdem: Föhr muss man einfach gern haben. Ich kann jedenfalls meinen nächsten Besuch dort kaum erwarten. Danke für's - virtuelle - Mitnehmen! Alles Liebe, Constanze

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  6. Schade, dass ihr so viel Pech auf Föhr hattet. Es ist aber auch echt schwierig, wenn man alles fast genauso macht wie beim letzten Mal. Wenn damals alles wunderbar war, setzt man die Erwartungen ziemlich hoch und wird leicht enttäuscht. Ich versuche deshalb immer, Altbewährtes mit Neuem zu verbinden oder etwas, wo ich ganz lange nicht mehr war bzw. das sich stark verändert hat. Das klappt ganz wunderbar, auch in der Heimat oder an anderen Orten, wo ich schon oft war. Und was Föhr betrifft: Die Insel hat mehr zu bieten als Wyk. Leiht euch beim nächsten Mal doch ein Fahrrad und macht die Insel unsicher. Entdeckt abgeschiedene Strandabschnitte, die Vogelkoje, die alte Windmühle, den Friesendom - und nehmt euch Badesachen für das Freizeitbad in Wyk mit, falls das Wetter schlecht wird. Viel Erfolg!

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